Vorwärts Abwärts um jeden Preis?

Auf dem Bild sieht man eine junge, gerade erst angerittene Stute. Sie wird gebisslos, kombiniert mit einem Gebiss geritten. Der Kopf wird sehr frei getragen, der Hals dehnt sich nach vorne.

Das Reiten des Pferdes im VA (Vorwärts – Abwärts) hat für jeden, der sich mit der Anatomie und Biomechanik der Pferde bereits etwas beschäftigt hat, einen sehr logischen Hintergrund. Die, für das Pferd durchaus sinnvolle, Vorrichtung des Nacken – und Rückenbandes hat beim Pferd in freier Natur folgenden Zweck: Diese Bänder helfen dem 18 Stunden lang grasenden Pferd seine Muskeln zu entlasten. Das Nacken – Rückenband hilft also Energie zu sparen, da der Kopf des Pferdes sonst, einfach gesagt, zu schwer wäre um ihn andauernd mit Muskulatur zu tragen. Auch das VA Reiten hat diesen theoretischen Hintergrund. Dehnt sich das Pferd nach vorne unten, kann die Muskulatur etwas entspannen.  

Der Nachteil dieser Haltung ist, dass sie unweigerlich mit einem Balanceverlust einhergeht. Das Gewicht wird vermehrt Richtung der sehr verletzungsanfälligen Vorhand gebracht. Das sooft praktizierte „tief eingestelle VA Reiten wobei gleichzeitig schön im Tempo vorwärts geritten wird, damit die Hinterhand unter den Schwerpunkt tritt“ kann hier leider auch nichts wettmachen. So wirken nur vermehrt Kräfte auf die sensible Vorhand.

Der oft zitierte Spannungsbogen, welcher nie verloren gehen soll, hat aber wenig bis gar nichts mit dem Tempo zu tun und auch nichts mit der tiefe des Kopfes. Außerdem kann ein Pferd auch mit positivem Spannungsboden bergab laufen. Es kommt also immer auf das Gesamtbild an!

Der Spanungsbogen muss gerade oder bergauf verlaufen um einen Balanceverlust zu vermeiden und die Spannung muss vom Pferd an sich kommen, also von seinem Körper, seiner Muskulatur und nicht von seinem Tempo.

Der Kopf muss runter – was, wenn das aber nicht so einfach geht? Das Problem, warum sich ein Pferd nicht im Hals fallen lassen kann, liegt selten am Kopf sondern kann mehrere Gründe haben zB.:

a)      Der Rücken ist fest. Kann das Pferd aufgrund Verspannungen im Rücken nicht loslassen, wird es den Kopf nicht für längere Zeit senken wollen. Wird der Kopf nun mithilfe der Hand oder einem Hilfszügel nach unten gezogen, kann der Rücken dadurch natürlich nicht gelöst werden!

b)      Das Pferd verliert die Balance. Vor allem junge Pferde brauchen ihren Hals und Kopf noch um im Gelichgewicht zu bleiben und nicht umzufallen. Zwingt man sie aber in eine starre, tiefe Kopfhaltung wird sich das junge Pferd wieder verspannen und psychischen Schaden davon tragen (die Losgelassenheit geht verloren) – ein Teufelskreis!

Wie muss ein junges Pferd denn nun geritten werden wird sich jetzt der ein oder andere Fragen. Die Lösung liegt zum einen in der Vorbereitung am Boden (wird das Pferd bereits am Boden in eine verbesserte Balance gebracht und die Muskulatur gestärkt, klappt das unterm Sattel natürlich auch leichter) und zum anderen in der Abwechslung. Zu starres und zu langes Reiten in derselben Haltung ruft Verspannungen hervor. Außerdem rate ich von einem zu tiefen einstellen, vor allem unterm Reiter, grundsätzlich ab. Zu stark ist die Belastung für die Vorhand.

 

© Melanie Wimmer – Pferdeausbildung 

Warum der Einsatz von Hilszügeln meist mehr schadet als hilft?

Hier seht ihr ein Foto von einem meiner Verkaufspferde, aus meiner früheren Zeit. Sicher keines der richtig schrecklichen Hilfszügel Fotos, da kann man schlimmeres finden. Dennoch kann man deutlich sehen, dass das Pferd hinter der Senkrechten läuft, es versteckt sich und tritt nicht an den Zügel. Kein Wunder, dieser ist ja hart und kann nicht nachgeben – immer in einer starren Position! Auch den falschen Knick kann man gut erahnen. 
Wie man inzwischen weiß, braucht die Muskulatur immer wieder eine Entspannungsphase um nicht zu verspannen. Beim Reiten ermöglichen wir das mit regelmäßigen Handwechseln (jeweils die innere Seite wird trainiert, die äußere darf sich strecken und Pause machen) und mit verschiedenen Halseinstellungen. 
Bei Eberhard Weiß musste ich immer nach einigen Minuten Training, das Pferd komplett am langen Zügel im Schritt pausieren lassen. Auch hier derselbe Grund – das Pferd muss in der Lage sein sich zwischenzeitlich frei zu bewegen und zu strecken um seine Muskulatur zu lösen. 
Es gibt verschiedene Hilfszügel. Hilfszügel aus Gummi wie der Halsverlängerer sind besonders schädlich, denn sie geben nie so nach, dass kein Zug mehr auf dem Genick und dem Pferdemaul ist (außer das Pferd geht deutlich hinter der Senkrechten) So muss das Pferd immer gegen einen Zug arbeiten – und dazu verwendet es seine Unterhalsmuskulatur. Hier wird also genau die falsche Muskulatur trainiert!
Bei vielen Hilfszügeln überdehnt sich das Pferd in der Oberlinie. So ist der Rücken zwar optisch gesehen oben, aber dadurch wird auch der obere Beckenrand nach vorne gezogen und somit flacht das Becken ab - und was heißt das? Genau, das Pferd kommt mit seinen Füßen gar nicht mehr unter den Körper, denn dazu müsste das Becken abgekippt werden. Man kann es gut bei Springpferden, welche mit Schlaufzügel geritten werden sehen, dass die Hinterbeine nur mehr nach hinten raus treten.
Hinzu kommen die Probleme in der Anwendung (vor allem an der Longe). Es müsste immer der jeweils äußere Zügel länger sein, um eine Dehnung zuzulassen. Bei regelmäßigen Handwechseln bedeutet das, man müsste immer umschnallen. Auch für die Pausen in Dehnung müsste man immer ausschnallen. Die Realität zeigt hier aber etwas anderes. Die Pferde bekommen einmal die Hilfe angeschnallt und los geht’s für die nächsten 30 – 45 Minuten.
Es gäbe noch viele Hilfszügel auf die man genauer eingehen könnte – eines ist jedoch offensichtlich: Sie haben in den Händen von Laien nichts verloren und der Profi wird sie vermutlich sehr selten bis gar nicht brauchen. 
©Melanie Wimmer - Pferdeausbildung
Falls ihr mehr zu diesem Thema erfahren möchtet – es findet wieder ein Kurs zum Thema Longieren am Kappzaum statt – mehr dazu findet ihr hier:
https://www.melanie-wimmer.at/kur…/kurse-fr%C3%BChjahr-2017/

Was kann ich selber machen?

Was ein Pferd bereits können sollte, wenn...

Mein neuer Blog soll euch und auch mir helfen J

Es geht darum, was Pferde bereits können sollten, bzw. können könnten, bevor sie dann zu mir oder zu jemand anderen in Beritt kommen

Das spart mir Zeit und etwas Nerven  :P und euch Geld!

 

Ich beginne mit den ersten Dingen:

 

Angreifen lassen und Aufhalftern

 

Mit diesen beiden Dingen sollte so bald wie möglich begonnen werden. Fohlen können sehr schnell scheu werden, auch wenn es da natürlich unterschiedliche Typen gibt. Auch die Mutterstute spielt da eine entscheidende Rolle.

Meistens finden es die Jungspunde aber sehr schnell angenehm, an Stellen wie Hals gekrault zu werden.

Schwieriger gestaltet sich meist das Aufhalftern. Oft ist es den Pferden unangenehm, wenn man das Halfter über die Ohren zieht.

Bevor man also ein Halfter zum üben mitnimmt, sollte das Pferd die Ohrenarbeit genießen können.

 

Ohrenarbeit:

Man beginnt damit, dass man mit einer Hand von unten über Nase, Stirn weiter bis hin zu den Ohren streicht.

Man kann sich auch einfach von einer Stelle, die das Pferd bereits gerne mag, vorarbeiten, zb. Vom Hals.

Vom Anfänglichen Drüberstreifen wird mit der Zeit ein bewussteres Angreifen und Ausstreichen der Ohren.

Die andere Hand fixiert den Pferdekopf einfach etwas, vielleicht einfach auf die gegenüberliegende Ganasche legen, wenn das geht.

Mit der Zeit sollte man das Ohr waagrecht zum Pferdekopf und mit leichtem Druck ausstreichen können.

Auch Berührungen mit dem Daumen innerhalb der Ohrmuschel kann man dann integrieren.

Weiters soll es das Pferd als angenehm empfinden, wenn du das ganze Ohr in alle Richtungen leicht bewegst.

 

Erst wenn dein Pferde beginnt diese Übungen zu genießen kannst du mit dem Aufhalftern ohne Probleme beginnen.

Nimm am Anfang ein Halfter, welches  groß genug ist. Du kannst die ersten Male das Halfter auch seitlich öffnen und musst es somit nicht über die Ohren ziehen. (wenn es da einen Verschluss hat)

Wenn du es dann das erste Mal „normal“ drüber gibst,  mache es wie bei einem Zaumzeug. Klappe ein Ohr nach dem anderen nach VORNE und gib das Halfter dann drüber. So ist es den meisten Pferden angenehmer.

 

Mach diese Schritte ganz bewusst und mit viel Achtsamkeit, und dein Pferd wird später nicht den Kopf in die Höhe reißen, wenn du dann vielleicht schon zu klein bist um es trotzdem noch schnell drüber zu ziehen.